Informationen zum Wiederaufbau des Gropius-Hauses
Mit der Übersiedlung des Bauhauses von Weimar nach Dessau erhielt Walter Gropius 1925 von der Stadtgemeinde Dessau den Auftrag zur Errichtung einer Siedlung für die Bauhausmeister. Gropius' Entwurf sah ein Einzelhaus für den Bauhausdirektor und im Abstand von jeweils 20 Metern drei Doppelhäuser für die Bauhausmeister vor. Die Siedlung entstand in unmittelbarer Nähe zum Bauhausgebäude in einem kleinen Kiefernwald und wurde im Sommer 1926 bezogen. Heute werden die Häuser nach ihren Erstbewohnern benannt.

Walter Gropius bewohnte das Direktorenhaus gemeinsam mit seiner Frau Ise von 1926 bis 1928. Ihm folgte als Bauhausdirektor und Hausbewohner von 1928 bis zu seiner Entlassung 1930 Hannes Meyer und schließlich wohnte von 1930 bis 1932 auch Ludwig Mies van der Rohe, der dritter Bauhausdirektor, in diesem Haus. Nach der Schließung des Bauhauses in Dessau zum 01. Oktober 1932 ist das Direktorenhaus anfangs von der Stadt weiter vermietet und später verkauft worden.
Bei einem alliierten Luftangriff am 07. März 1945 wurde das Direktorenhaus gemeinsam mit der angrenzenden Doppelhaushälfte von Laszlo Moholy-Nagy zerstört. Während die Trümmer der Doppelhaushälfte abgetragen und das Grundstück nicht wieder bebaut wurde, blieb vom Gropius-Haus das Souterrain-Geschoss erhalten. Darauf entstand Anfang der 1950er Jahre ein Einfamilienhaus im traditionellen Stil mit Satteldach, welches sich in der Raumaufteilung des Erdgeschosses jedoch weitgehend am Grundriss des Gropius-Hauses orientierte. Es wird heute nach den damaligen Bauherren Emmer-Haus genannt.
Im Jahre 2002 erwarb die Stadt Dessau dieses Haus aus Privathand um sich die Option eines Wiederaufbaus zu sichern. Daraufhin initiierte die Stiftung Bauhaus Dessau 2003 unter dem Motto "Aktualisierung der Moderne" eine Kampagne, die einen originalgleichen Wiederaufbau des Gropius-Hauses möglichst verhindern sollte. Auf diese Weise verunsichert, fehlte der Stadt lange Zeit der Mut, eine Rekonstruktion des Gropius-Hauses und der angrenzenden Doppelhaushälfte zu wagen. Erst Ende 2007 ist ein zweistufiger internationaler Wettbewerb „zur städtebaulichen Reparatur der Meisterhaus-Siedlung“ ausgelobt worden, in dessen Ergebnis im Mai 2008 von der Jury zwei 2. Plätze vergeben wurden, ohne jedoch eine Realisierungsempfehlung auszusprechen.
Dessen ungeachtet beschloss der Stadtrat von Dessau-Roßlau am 10. September 2007 den Wiederaufbau der Häuser Gropius und Moholy-Nagy „in einem durch die bauzeitlichen Kubaturen und Volumina gekennzeichneten Erscheinungsbild mit den heutigen bauphysikalischen Möglichkeiten“. Den Auftrag erhielt das Büro Nijo Architekten aus Zürich, einer der beiden Zweitplatzierten Wettbewerbsteilnehmer. Ein knappes Jahr später trennten sich Stadt und Architekturbüro wieder, einvernehmlich!
Es folgte ein neuer Vorstoß im September 2009: Ein Gutachterverfahren mit einem kleinen Kreis eingeladener Architekturbüros aus Deutschland, Österreich und England sollte nun endgültig Klarheit über die Form des Wiederaufbaus bringen.
Die Wahl fiel im März 2010 auf das Berliner Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez, das mit seiner „zeitgenössischen Umsetzung des historisch Gegebenen“ die Jury überzeugte.
Der Entwurf zeigt die historischen Konturen der Häuser Gropius und Moholy-Nagy in einer „Unschärfe“, die den Wiederaufbau so weit von der Rekonstruktion entfernt, wie es sonst wohl nur ein Neubau vermocht hätte. Ob dies zukünftig freilich die Besucherinnen und Besucher begeistern wird, bleibt abzuwarten. Zumindest die Verantwortlichen der Stadt Dessau und die Stiftung Bauhaus Dessau sind mit dem Ergebnis wohl zufrieden.